(Auszug aus den LearnTechNachrichten vom 19.12.2012)
Der vierte ITSI-Workshop widmete sich einem Raumtypus, der einerseits bei der Planung und beim Bauen von Gebäuden ohnehin entsteht, andererseits aber spezifische Funktionen erfüllen soll und deshalb in Zukunft mehr Beachtung verdient: „Zwischenräume“. Dazu gehören natürlich zunächst Transferräume (Wege, Korridore, Treppen) und Knotenpunkte (Plätze, Treppenabsätze, Foyers, Wartezonen). Wir fassen den Begriff aber weiter: Zwischenräume sind die Orte, die den Mitgliedern einer Organisation zum informellen Austausch und zur Erholung dienen, seien es physische oder virtuelle Räume, Rückzugsorte oder Treffpunkte, Veranstaltungsorte wie die skuBAR, Bewegungsangebote wie beim Unisport oder ganz einfach Verpflegungsorte (Mensa, Caféteria, Getränkestationen etc.) – gilt doch die Kaffeetasse zu Recht als „bestes Medium für den Informationsaustausch“. An all diesen Orten finden Treffen statt jenseits der Arbeits- und Studienziele, quer zu Hierarchien und Disziplinen; hier werden Informationen weitergegeben, Fragen jenseits des formalen Studienbetriebs besprochen, Ideen ausgetauscht, Projekte angedacht und Initiativen gestartet.
Häufig geraten Zwischenräume aus dem Blick, sind Nutzenden und Planenden weniger bewusst, denn, wie es eine Diskussionsteilnehmerin formulierte: „they just happen“. Entsprechend hatte dieser Workshop einen explorativen Ansatz; er führte die Teilnehmenden in Kleingruppen zu vielen verschiedenen Zwischenräumen der Universität Basel. Unterwegs begegneten sie vielen Themen, die in diesen Räumen „wohnen“:
- Interdisziplinärer Austausch: Joanna Ball und Frank Verano von der University of Sussex, U.K., stellten ihre Idee des „Research Hive“ vor, in dem sich Forschende verschiedenster Fachrichtungen informell begegnen, vielfältige Informationsangebote und ein „Zuhause“ an der Universität finden. Drei Doktorierende begleiten das Projekt mit einem Blog und stellen den Kontakt des Projektteams zu den Nutzenden sicher.
- Virtuelle Zwischenräume: Hartmut Schulze (Fachhochschule Nordwestschweiz) und seine Kollegen von der FHNW und der HGK brachten den Kleingruppen in Gesprächen und Experimenten sehr anschaulich ein Forschungsprojekt zum Thema „Virtuelle Begegnungsräume“ nahe. Zudem stellten Stefan Cordes (Freie Universität Berlin) und Ursula Schwander (Fernuniversität Hagen / Universität Basel) an Beispielen vor, welche Projekte an anderen Universitäten bereits umgesetzt wurden: In Berlin ein Blogging-System, in Hagen ein Virtuelles Café für Studierende – beide Zwischenräume bieten Austauschmöglichkeiten in der virtuellen Welt und zugleich Identifikationsräume für Universitätsangehörige.
- Studentisches Engagement: Freiräume ausserhalb des Studienbetriebs ermöglichen Studierenden, die Universität mitzugestalten und Initiativen zu aktuellen Themen zu entwickeln – an dieser Station kamen die Teilnehmenden ins Gespräch mit Mitgliedern der skuba, des dinx-Shops und der Studierendeninitiative SDUBS (Students for Sustainability at the University of Basel).
Die individuellen Beobachtungen der Workshop-Teilnehmenden wurden zunächst informell innerhalb der Gruppen geteilt und anschliessend in einer Plenumsdiskussion zusammengetragen.
Hier finden Sie auch die Dokumentation einer „Intervention“ zum Thema ZWISCHENräume, die wir vor dem Workshop durchgeführt haben – um die Bedürfnisse und Nutzungskulturen in den Zwischenräumen unserer Universität kennenzulernen und mit vielen Beteiligten ins Gespräch zu kommen. Realisiert wurde die Intervention mit Leihgaben der Vitra AG, Birsfelden, sowie mit freundlicher Unterstützung des Ressorts BHTS und vieler, die für das Kollegienhaus Verantwortung tragen und dort tätig sind. Dafür an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank!

